Ortsverband Groß-Umstadt
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Beobachtungen am Bibersee Groß-Umstadt Semd

Vogelbeobachtung am Bibersee in Groß-Umstadt / Semd  (Foto Privat)

Mit Ferngläsern und Spektiven ausgerüstet, versammelten sich rund 35 Naturfreunde am Samstagnachmittag des 18. April auf Einladung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) an den Biberseen von Semd. Gekommen waren sie in der Erwartung, verschiedene Arten von Wasservögeln zu sehen. 

Zunächst einmal begrüßte der Vorsitzende des BUND-Ortsverbandes Groß-Umstadt, Kurt Glogner, die Besucher und wies anhand der Ortsnamen Groß Bieberau, Biebergemünd, Hofbieber und Biebertal auf die frühere Verbreitung des Bibers in Hessen hin. Ob die Biber aus dem Spessart, wo sie in den 1980-er Jahren ausgesetzt wurden, über Jossa, Sinn, Main und Gersprenz in unsere Region eingewandert sind oder von der Donau über den Main-Donau-Kanal, sei bisher nicht ermittelt, erklärte der Exkursionsführer, Dr. Wolfgang Heimer, von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Inzwischen sind sie in fast allen Fließgewässern des Ostkreises, selbst in sehr kleinen Bächen heimisch geworden. Bei geringer Geländeneigung reicht bereits eine geringe Dammhöhe, um die Bachaue zu überstauen, nicht zur Freude der betroffenen Landwirte. Hier gilt es, einen Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu finden. Für die Natur ist es eine Bereicherung, sind doch Feuchtgebiete, früher oft trockengelegt, heute selten geworden. Sie bieten nicht nur Lebensraum für alle Tier- und Pflanzenarten, die in und am Wasser leben. Auch für den Menschen haben sie Vorteile: Sie bremsen Hochwasserspitzen, mit denen künftig häufiger zu rechnen ist, halten Wasser zurück und regulieren den Abfluss, was unter dem Stichwort „Schwammstadt“ in den Städten mit einigem technischen Aufwand versucht wird.

Schon während der Ausführungen waren die Blicke mit den Ferngläsern über den See gewandert und hatten die Grau- und Kanadagänse am Rand entdeckt. Ein Nilganspärchen flog am anderen Seerand vorüber, ein Graureiher und ein Storch folgten später und auch ein Schwarzer Milan, der meist an Gewässern anzutreffen ist, verschwand über dem Wald. Am überstauten Waldrand brüteten Rostgänse, die an ihrer namengebenden Farbe gut zu erkennen waren. Etliche Stockenten und Blässhühner bevölkerten den See. Auch andere Entenarten waren dabei: Krick-, Spieß-, Kolben- und Mandarinenten. Anders als bei den Menschen sind die Weibchen recht unscheinbar und auch für Ornithologen nur mit dem Spektiv zu unterscheiden. Auf der westlichen, der Semder Seite der Brücke wateten weit entfernt ein Waldwasserläufer und ein Dunkler Wasserläufer durch den seichten Seerand auf der Suche nach Nahrung. Schnell weggetaucht und nur kurz zu sehen war dort der kleine Zwergtaucher. Die Sensation des Tages, einen ausgesprochen seltenen farbenprächtiger Purpurreiher, reglos in den hohen Gräsern am Seerand stehend, konnten alle ausgiebig bestaunen.

Die Frage, wie es mit dem Gebiet weiter gehen soll, wurde mehrfach gestellt. Die Vielfalt von feuchten Wiesen, nassen Übergangszonen zu den Seeflächen, die in niederschlagsarmen Zeiten auch trockenfallen können, soll erhalten werden. Sie ist die Grundlage für den Artenreichtum, denn die Biberseen haben sich inzwischen zu einem der drei bedeutendsten Biotope im Ostkreis entwickelt. Hier gibt es auch das größte Laubfroschvorkommen im Kreis. Die Flächen sollen eingezäunt und mit Rindern ganzjährig beweidet werden. Auf dem Unterstand für die Tiere soll eine Aussichtshütte zur Vogelbeobachtung entstehen.

Bedroht ist jedoch der Biotopteil im Westen der B 45 durch den beabsichtigten Ausbau auf 4 Fahrstreifen, für den ein 20 Meter breiter Streifen gebraucht wird. Dazu müssten alle Bäume und Büsche am Straßenrand gerodet, die Brücke verlängert, der feuchte Untergrund massiv befestigt und große Erdmassen aufgeschüttet werden, um den hohen Damm aufzuschütten und seine dauerhafte Standfestigkeit zu sichern. Die Exkursionsteilnehmer hoffen, dass die 70 mio € für den Straßenausbau, der zur Vermeidung des Staus an den Ampeln gedacht ist und nur zu den Stoßzeiten die Fahrtzeit um 3 bis 4 Minuten verkürzen sollen, für punktuelle problemlösungsorientierte Lösungen oder für wichtigere Maßnahmen andernorts eingesetzt oder unter dem Eindruck der Finanzlage des Bundeshaushaltes eingespart werden.

Der Biber hat eine neue Landschaft geschaffen

Bibersee von Groß-Umstadt / Semd April 2026